Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e. V.
Die Wernerkapelle
Ein Denkmal erhebt Anspruch - Weg einer Bürgerinitiative

von Arnold Wolff und Peter Keber.

aus dem Heimatbuch: " Bacharach und die Geschichte der Viertälerorte ", Seiten 311-318
herausgegeben von Friedrich Ludwig Wagner
Verlag: Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e. V. D-55419 Bacharach am Rhein

Zurück zur Seite 3 - Das bisher Erreichte sollte jeden einzelnen in seinem Engagement bestätigen und sowohl ihn als auch jeden, der sich von dem, was eine konstruktive Bürgerinitiative zu leisten vermag, angesprochen fühlt, anspornen, noch Unerledigtes in Angriff zu nehmen.

Mit Stolz konnten die Initiatoren des Bauvereins zwischenzeitlich im Namen seiner Mitglieder den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz, den Deutschen Preis für Denkmalschutz sowie den Europa-Preis für Umweltschutz entgegennehmen.

Wenn auch der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz im Rahmen der Ordensverleihung von außergewöhnlich großartigen Verdiensten gesprochen hat, so bleibt es bei der eingangs getroffenen Aussage, daß es eine Selbstverständlichkeit sein sollte, die Überreste des Kunstschaffens vergangener Epochen zu erhalten.

Über diese Selbstverständlichkeit hinaus ist es für uns ein besonderes Anliegen, die restaurierte Wernerkapelle vor dem Hintergrund ihrer denkwürdigen Entstehungsgeschichte, in unserer heutigen Zeit als Mahnung zum geschwisterlichen Umgang zwischen Christen und Juden zu betrachten.

Wir werden deshalb unsere nunmehr 15 Jahre andauernden Restaurierungsarbeiten in 1996 zu einem guten Ende bringen, indem wir ein Gebet, das der größte Mittler zwischen Juden und Christen, Papst Johannes XXIII, kurz vor seinem Tod verfaßt hat, in Stein meißeln lassen:

Wir erkennen heute, daß viele Jahrhunderte der Blindheit unsere Augen verhüllt haben, so daß wir die Schönheit Deines auserwählten Volkes nicht mehr sehen und in seinem Gesicht nicht mehr die Züge unseres gestorbenen Bruders wiedererkennen.

Wir erkennen, daß ein Kainsmal auf unserer Stirn steht. Im Laufe der Jahrhunderte hat unser Bruder Abel in dem Blute gelegen, das wir vergossen, und er hat Tränen geweint, die wir verursacht haben, weil wir Deine Liebe vergaßen.

Vergib uns den Fluch, den wir zu Unrecht an den Namen der Juden hefteten.

Vergib uns, daß wir Dich in ihrem Fleische zum zweitenmal ans Kreuz schlugen.

Denn wir wußten nicht, was wir taten.

(Papst Johannes XXIII)